Die Weihnachtsgeschichte – von Mama erklärt

von Berta Schmid

Ingolstadts verwunschene Weihnachtsgschichte Nummer 17

Je älter man wird, umso lieber denkt man zurück. Erst kürzlich erinnerte ich mich an die Zeit, als mein Ältester gerade lesen konnte. Es ist schon viele Jahre her, inzwischen ist er schon selbst Vater. Damals saßen wir, irgendwann kurz vor Weihnachten im Wohnzimmer und lasen. Wenn die Mama eine Leseratte ist, bleibt das bei den Kindern nicht aus. Ich war an diesem Abend in einen Roman aus dem Dreißigjährigen Krieg vertieft. Es ging ziemlich brutal zu und war unheimlich spannend. Mein Sohn saß neben mir und hatte ebenfalls ein Buch in Händen. Er besah sich vermutlich hauptsächlich die Bilder, blätterte von Zeit zu Zeit um und stellte Fragen. Ich war so in meinen Roman versunken, dass ich nicht richtig hinhörte. Aber natürlich blieb ich niemals eine Antwort schuldig. Meine Kinder konnten mich alles fragen, ich nahm mir immer Zeit für sie.

„Was ist das, S t e u e r?“ wollte mein Sohn wissen.

Ich antwortete: „Das weißt du doch. Denk mal an das Lenkrad beim Auto, das wird auch Steuerrad genannt, oder Schiffen, die werden gesteuert.“

Nach einer Weile fragte er: „Du Mama, was sind H e e r s c h a r e n?“

Ganz in mein Buch vertieft, murmelte ich: „Das sind Söldner, die mordend und brennend durch die Gegend ziehen und alles kurz und klein schlagen.“

Er schaute wieder in sein Buch und ich las weiter. „Und was ist  v e r k ü n d e n ?“

Mühsam riss ich mich von meinem Buch los und antwortete ausführlich: „Wenn jemand heiratet, wird das vorher verkündet. Da wird ein Blatt ausgehängt und jeder, der gegen die Heirat ist, kann Einspruch erheben. Wenn niemand etwas dagegen hat, dürfen die Leute heiraten.“

Mein Sohn nickte, aber seine Miene war skeptisch. „Wer war David?“ kam die nächste Frage.

Ein wenig genervt erwiderte ich: „Das war der Mann, der den Riesen Goliath mit einem Kieselstein erschlug.“

Wieder sah mich mein Sohn sonderbar an, aber mein Buch war so spannend dass ich nicht weiter darauf achtete. Später sah ich, dass er die Weihnachtsgeschichte gelesen hatte. Das freute mich. Er war ein schlauer Kerl.

Am Heiligen Abend saß er dann neben der Krippe und erklärte seinem kleinen Bruder:

„Und das da oben sind die Engel. Ich glaube ja nicht daran, aber die Mama behauptet: Das sind himmlische Soldaten, die alles kurz und klein schlagen. Die waren schon verkündet, aber sie durften alle nicht heiraten, weil jemand etwas dagegen hatte.“ Er dachte kurz nach, dann sagte er: „Und das Jesuskind da in der Krippe, kam aus einem Haus, in dem ein Mann einen Riesen mit einem Kieselstein erschlug. So wild ging es damals zu.“ Dann fiel ihm noch etwas ein. „Was das für Listen waren, in die Lenkräder eingetragen wurden, versteh ich nicht, da musst du die Mama schon selbst fragen.“