Weihnacht 1964

von Margit Hirtreiter

Ingolstadts verwunschene Weihnachtsgschichte Nummer 20

I schau zum Fenster naus,
do sig i die Flocken drausd.
Freudig schau i eana zua wia sa se dran
und später aufm Zaun dann san.

Da Winter breit se heier aus,
do gfreit se jed´s Kind im Haus.
Si hoin ihre Schlitten vom Keller raus
und ziagn ´s glei aufs Bergl nauf.

Des erinnert mi an früher,
wo mia no Kinder war´n
und san von so am Bergl gfahr`n.

Jeden Tog war`n mia draußn,
denn es war wunderschee
und mir hab´n so schee gspuit mit´m Schnee.

Unsre Stiefe hatt`n koane Daunen,
wie´s jeds Kind heit kennt.
Mir hobn nur Leder und warme Sockn ghabt
und mir spürt´n an Wind.

Ich woaß no genau,
wias Weihnachten war,
es war 1964 – a scheens Joahr.

Da Winter war weiß,
wie jedes Joahr,
des hobn mir net anders kennt,
des is woar.

Namiddog samma aus`m Haus,
mei Schwester und i,
und ´d Eltern voraus.

Mir bsuchten die Großeltern,
wia alle Joahr, mir wünschten eana
„Frohe Weihnachten“, des is ja klar.

Mir san ois z` Fuaß ganga,
so war damois die Zeit,
des war schee und mir war´n bereit.
Unterwegs is g´red worn,
glacht und verzäit.
Wir hobn die Eltern gfrogt:
„Kummt as Christkind a g`wiss?
Ned dass´s uns vergisst!“

Die Eltern schmunzelten,
und schaut`n uns an,
„Wenn´ts brav warts
dann steht`a er dahoam, da Bam.“

Es war scho finster,
wia ma hoam kumma san,
da Vata macht Dia auf
und do steht a, da Bam.

Mir hobn gstaunt und uns gfreut,
wei as Christkind do war,
es hot uns ned vergessen,
wia olle Joahr.

Erst homma gess`n
und dann homma g`sunga,
wei so is hoid der Brauch,
dann konnt`s Christlkindl kumma,
mir hobn scho gwart drauf.

Mir hatten koan Fernseh,
koa Kassetten die spuit.
Mir hobn die Weihnachtsliadl gsunga,
mit ganz fui Gfui.

Sovui Gschenke wias heit gibt,
homm mia ja ned kennt.
Mir warn ja genügsam ois Kind.

Wir hobn uns scho gfreit,
über an selbstgstrickten Pullover,
über Malstifte für `d Schui,
für uns war des fui.

Drum wer i des Weihnachten
nie vergessen,
wo man mit wenig,
sovui hot besessen.