A Ratsch unterm Christbaam

von Paul Thaller

Heit erzei I eich moi a ganz a bsondere Gschicht. Wahrscheinlich werds ihr ned glaam, wos I letzts Moi gherd hob, wia I ganz staad in der Nähe vom Christbaam ghockt bin.

Fanga doch do auf oan Schlog die Geschenke mitnand zum Redn o.
I hob gmoant, I spinn.

Aber I hob mi dann ganz ruhig verhoidn und hob ghorcht oder wia ma auf bayrisch no schena soggt, gluuhst.

Sogd doch ned de goidne Hoiskettn mit dem eigschliffana Diamanten zu de andern, dass sie auf jeden Foi des deierste Weihnachtsgschenk unter dem Christbaam is.

„Wos hostn kost“?, froggt do glei de Saisoneintrittskarte vom FC Inglstod 04.

„Des gähd di gor nix o, aber auf jeden Foi mehra wia du“.

Die Saisoneintrittskarte vom FC I hod se dann denkt. Na vielleicht bin I ja im nächsten Johr in der 2. Liga wieder mehra wert und wuid desweng ned weiter streiten.

Doch die goidne Hoiskettn mit dem eigschliffana Diamanten hatte die Rechnung ohne den Essensgutschein für die Gaststätte am Auwoidsee gmacht.

„Du brauchst ned so ogäm, bloß weilst du dich an ganzen Dog von irgendjemand am Hois umanander drogn lasst. Ob des immer a Freid is, des mecht I zumindest bezweifeln. I dageng mach dem Beschenkten scho a Freid, weil er noch dem Essen zumindest guad satt is“.

„Ja aber wos is des scho“, erwiderte die goidne Hoiskettn mit dem eigschliffana Diamanten, „wenn ma grod so 50 € wia di gschenkt griagt. Do bin I scho mindestens zwoa bis drei Nuller mehra wert“.

„A Nuller bist, genau jetz hostas grod selber gsaggt“, gretzte der Essensgutschein für die Gaststätte am Auwoidsee zruck.

„Ach du host ja gor koa Ahnung“, antwortete die goidne Hoiskettn mit dem eigschliffana Diamanten und schaute sich um, wer ihra denn wertmäßig no in die Quere kumma kannt.

Do sah sie plötzlich unterm Baam no a kloans Kuvert mit am selbergmoidn Herzerl drauf liegn und fragte glei:

„He, wos is na in dir überhappts drin?“

„Ned vui“, erwiderte des kloane Kuvert mit am selbergmoidn Herzerl drauf, „ned vui. Nur a kloana Zettel is in mir drin, a ganz kloana Zettel“.

„Und – wos stähd na auf dem Zettel drauf“, raunzte die goidne Hoiskettn mit dem eigschliffana Diamanten des kloane Kuvert mit am selbergmoidn Herzerl drauf o.

„Jetz hoid endlich moi dei Mei“, sagten die Saisoneintrittskarte vom FC I und der Essensgutschein für die Gaststätte am Auwoidsee zu ihra.

„I konns eich scho sogn“, meinte des Kuvert mit am selbergmoidn Herzerl drauf und mit dem fast no kleanerm Zettel drin. „I konns eich scho sogn, wos auf dem Zettel stähd: Zeit stähd drauf, Zeit, einfach nur Zeit“.

Do bekam die goidne Hoiskettn mit dem eigschliffana Diamanten an rotn Kopf und merkte, dass es scheinbar doch no wertvollere Gschenke gibt wia sie oans is, a wenns aufn ersten Blick oft ganz anders ausschaugt.

I bin dann ganz leise aufgstanna, hob mi ausm Wohnzimmer gschlicha und hob mia denkt, dieses Gespräch muass I unbedingt aufschreim, damit I eich des in der Weihnachtsfeier vorlesen konn.

Weil über den Sinn dieser Gschicht konn ma sicherlich a bisserl nochdenga.