Wie Weihnachten – oder wie ich es gerne nenne: “Das wundersame Fest des Kontoeingangs!”

von Beatrix Müller

Ingolstadts-Verwunschene Weihnachtsgeschichte Nummer 11

In meinem Leben spielt sich seit meiner Anstellung jeden Monatsanfang ein wahres Spektakel ab – es ist sozusagen mein persönlicher Monats-Blockbuster. Das Geld tanzt freudig auf meinem Konto ein, als wäre jeder Tag der 24. Dezember. Ich kenne den Zeitpunkt, die Menge und den kleinen Tanz, den ich dafür tanzen muss. Es ist fast so, als hätte der Weihnachtsmann einen Job als Gehaltsüberweiser angenommen. Alles ist klar, organisiert und in festlicher Ordnung.

Und da bin ich nicht alleine! Für viele meiner Mitmenschen ist das monatliche Gehaltseintreffen ein regelrechter Normalzustand, so wie der Nikolaus im Dezember – vertraut, erwartet und ein Grund zur Freude. Doch für mich ist es nicht nur Normalität; es ist wie der Moment, wenn man das letzte Türchen am Adventskalender öffnet und sich über die süße Belohnung freut.

Früher mussten mein Mann und ich für unsere Freiheit kämpfen, finanziell und existenziell. Es fühlte sich an, als würden wir gegen den Weihnachtsmann persönlich antreten. Aber jetzt, oh welch magischer Wandel, bin wenigstens ich in einer Art Normalzustand angekommen. Mein Dach über dem Kopf ist nicht mehr nur eine Hoffnung, sondern eine regelmäßig bezahlte Realität. Strom, Telefon und Internet sind meine festlichen Dekorationen für Wärme, Schutz und Kommunikation. Und für Kleidung und Essen? Nun, das ist der festliche Schmuck meines Alltags.

Unser beider Leben war wie eine Künstler-Sinuskurve – voller kreativer Höhen und finanzieller Tiefen. Bilderverkäufe, Kunstprojekte und Ausstellungen waren unsere eigene Form von spektakulären Feuerwerken. Doch hinter den Kulissen führte insbesondere ich ein atemberaubendes Verhandlungsballett mit Banken, Vermietern und Geschäftspartnern, um unsere Existenz zu sichern. Manchmal fühlte es sich an, als würde wir versuchen, den Weihnachtsbaum in einem Sturm aufrecht zu halten – ein Balanceakt zwischen Glanz und drohendem Chaos.

Kündigungen und Sperren waren unsere persönlichen Grinche, die versuchten, uns die festliche Stimmung zu verderben. Aber wir ließen uns nicht unterkriegen. Egal wie oft das Happy End sich versteckte, ich kämpfte meinen Kampf für Ruhe im Kopf, für Klarheit im Denken und für den Frieden, den jeder in der Adventszeit sucht.

Wir hielten das Rad des Lebens am Laufen, als wäre es ein überdimensionaler Lebkuchenmann, um nicht im Nichts zu verschwinden. Doch die Kraft reichte manchmal kaum aus, und der Teufelskreis aus Herausforderungen und Hoffnungslosigkeit schien endlos.

Für die wichtigen Dinge des Lebens waren wir oft zu erschöpft, um noch die Kraft für Glück und Freude aufzubringen. Wer hätte gedacht, dass Glück so viel Energie kosten kann? Wenn die Investitionen ins Glück und die fehlinvestierten Lächeln müde machen, sehnt man sich nach einer spontanen Portion Lebensfreude.

Dann geschah etwas Unerwartetes. Ohne Kraft, nur müde und alles schien egal, öffnete ich die Tür zu meiner viel größeren Freiheit. Ein Bild verkaufen sollte meine Rettung sein, doch die Realität hatte andere Pläne. Ein Job als angelernte Servicekraft in einem Museum – als wäre das die Kirsche auf meinem Weihnachtskuchen. Ich schloss die Augen, öffnete die Tür meines Inneren und sagte ja zu einer Reise ins Unbekannte. Manchmal muss man sich nur auf Überraschungen einlassen, um festzustellen, dass das Leben einem einen viel bunteren Adventskalender bereithält als erwartet.

Wie durch ein Wunder hielt ich durch, auch wenn ich nicht wusste, wie. Eine Achterbahnfahrt durch zwei Jahre befristete Anstellung, gefolgt von einem kurzen Sturz in die Arbeitslosigkeit während der Insolvenz. Doch sieben Jahre Insolvenz später fand ich mich in einer stabilen Festanstellung wieder, mit der ich obendrein meine künstlerische Ader und Freiheit erhalten konnte.

Heute, im landesüblichen Normalzustand, fließt jeden Monat Geld auf mein Konto. Es reicht nicht nur für mich, sondern auch für meine einst adoptierte Hündin, deren Versorgung mir Jahre lang am Herzen lag. Jetzt, Jahre später, kann ich mir sogar eine Urlaubsreise und ein Motorrad leisten. Das Leben hat mir mehr geschenkt, als ich je zu träumen gewagt hätte.

Plötzlich und unerwartet geht es mir gut. Stück für Stück habe ich Türen aufgestoßen, und immer wieder schneite etwas Unerwartetes herein. Doch das Unerwartete steckt tatsächlich in mir. Zum Beispiel, als ich, Jahre vor meinen großen Veränderungen, angemahnt wurde, einen hohen fünfstelligen Betrag zurückzuzahlen. Statt Verzweiflung empfand ich Hoffnung – Ich änderte nur meinen Standpunkt zum Geschehen: Die Absender hatten keine Ahnung von meiner desolaten Situation, aber sie trauten mir zu, das Geld zurückzuzahlen. Wow, das war wie ein Geschenk des Weihnachtsmanns ohne boshafte Elfen.

Die Türen meines Lebens öffnen sich weiterhin immer wieder neu. Das ist mein echtes Weihnachten – kein festlicher Rummel, sondern auch eine monatliche Erlösung. Obendrein springen immer wieder Türen auf, die mein Leben reich und vielfältig machen. Ich kann staunen wie ein Kind, mich über Kleinigkeiten freuen und die Dinge nehmen, wie sie kommen – die schlechten genauso wie die guten.

Und das ist meine tägliche Feier, „wie Weihnachten“, die ich am 24. Dezember, sozusagen „in echt“ gerne mit meinem Mitmenschen teile.

Die Weihnachtsgeschichte hat ChaBé verfasst. Aus Experimentierfreude beschäftigt sie sich auch mit ChatGPT. Sie hat diese künstliche Intelligenz mit ihren mehr als 70 Millionen Datensätzen „OSCAR“ getauft und sie gebeten, ihren Text in eine humorvolle und besinnliche Form umzuschreiben. Diese hat ChaBé dann noch einmal korrigiert und schließlich veröffentlicht.