Ein unerwartetes Weihnachtswunder

von Valentin Herbold

Ingolstadts verwunschene Weihnachtsgschichte Nummer 12

In einer eiskalten Dezembernacht in Ingolstadt, unter einem funkelnden Sternenhimmel, schlenderte Victor Frankenstein allein durch die verwinkelten Gassen der Altstadt. Der Schnee knirschte unter seinen Stiefeln, und sein Atem bildete kleine Wolken in der frostigen Luft. Der beleuchtete Weihnachtsmarkt vor dem Herzogskasten strahlte eine warme, einladende Atmosphäre aus, aber Victor hatte keine Lust, sich in die Menschenmenge zu begeben. Sein Herz war schwer von der Last der Vergangenheit und den dunklen Geheimnissen, die er hütete.

Plötzlich, aus dem Schatten heraus, tauchte eine mysteriöse Gestalt auf. Es war Adam Weishaupt, Gründer des Illuminatenordens, der in einem Umhang gehüllt war und wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein schien.

“Victor,” sagte Weishaupt mit einem geheimnisvollen Lächeln. “Ich habe dich hier erwartet. Ich habe gehört, du suchst nach etwas, das dir Trost spenden könnte.”

Victor sah Weishaupt überrascht an. “Adam, du scheinst immer zu wissen, was in meinem Inneren vorgeht.”

Weishaupt deutete auf den nahegelegenen Eislaufplatz, der von funkelnden Lichtern gesäumt war. “Wie wäre es, wenn wir gemeinsam auf dem Eis unsere Sorgen vergessen?”

Victor willigte ein, und die beiden begaben sich auf die glatte Eisfläche. Mit jedem Schlittschuhzug schienen ihre Sorgen leichter zu werden, und sie lachten, als sie sich an vergangene Zeiten erinnerten und Pläne für die Zukunft schmiedeten.

Nach ein paar Runden auf dem Eis verließen sie den Platz und gingen zu einem kleinen Stand, der Glühwein und gebrannte Mandeln anbot. Sie wärmten sich die Hände an den dampfenden Bechern und genossen den süßen Duft der Leckereien.

Weishaupt sprach plötzlich wieder: “Victor, ich habe von einer Legende gehört, die sich um diese Altstadt rankt. Es heißt, dass hier vor langer Zeit ein Wunder geschah. Die Menschen glauben, dass in den verwunschenen Gassen der Altstadt in der Weihnachtsnacht Träume Wirklichkeit werden können.”

Victor schaute ihn neugierig an. “Ein Weihnachtswunder? Das klingt unglaublich.”

Die beiden begannen, sich in den verwinkelten Gassen zu verlieren, und suchten nach den Spuren dieser alten Legende. Sie hörten Geschichten von verzauberten Uhrmachern, die Zeitreisen ermöglichten, von Straßenmusikern, die die Geheimnisse des Universums in ihren Liedern verbargen, und von einem alten Buchhändler, der magische Geschichten sammelte.

Schließlich fanden sie sich vor einer alten Kirche wieder, die von einem sanften Licht erleuchtet wurde. Vor der Kirche stand ein Weihnachtsbaum, dessen Lichter in den Nachthimmel leuchteten. Als Victor und Weishaupt nähertraten, spürten sie, wie eine unerklärliche Wärme ihre Herzen erfüllte.

In diesem Moment geschah das Weihnachtswunder. Vor ihren Augen materialisierte sich eine Gestalt, die Victor bekannt vorkam. Es war das von ihm erschaffene Wesen, das er einst als “Kreatur” bezeichnet hatte. Die Kreatur lächelte und streckte die Hand nach Victor aus.

“Ich bin gekommen, um Frieden zu finden, Victor,” sagte die Kreatur. “In dieser Heiligen Nacht haben wir die Chance, unsere Vergangenheit hinter uns zu lassen und ein neues Kapitel zu beginnen.”

Victor nickte, reichte zögerlich der Kreatur die Hand und ließ sich schließlich voller Erleichterung zu einer Umarmung hinreißen. Weishaupt stand lächelnd daneben und freute sich Zeuge dieses unerwarteten Weihnachtswunders geworden zu sein.

Die drei Männer standen vor der Kirche, ließen ihre Blicke über den glasklaren Sternenhimmel streifen und fanden in dieser besonderen Weihnachtsnacht Frieden und Versöhnung. Die Legende der Altstadt hatte sich erfüllt, und in Ingolstadt war an diesem Weihnachtsabend ein Wunder geschehen – ein Wunder der Freundschaft und der Hoffnung, das die Herzen von Victor Frankenstein, Adam Weishaupt und ihrer Kreatur erfüllte.