Vom Sinn des Weihnachtsfests

von Daniela Schlampp

Ingolstadts verwunschene Weihnachtsgschichte Nummer 9

Worum geht es eigentlich an Weihnachten? Um das schönste und wertvollste Geschenk? Um den dritten Glühwein auf dem Christkindlmarkt? Oder doch lieber um das gute Essen auf der Vereinsweihnachtsfeier? Haben wir im Laufe der Jahre nicht das Wesentliche aus den Augen verloren? Nächstenliebe, Zeit füreinander und für sich selbst und Dankbarkeit sind nur ein paar Beispiele, die in der Weihnachtszeit und nicht nur in dieser Zeit zu kurz kommen. In diesem Sinne möchte ich euch von meinem schönsten Weihnachtserlebnis vor sechs Jahren erzählen.

Meine Eltern, meine Schwester und ich engagierten uns sehr aktiv im Asylhelferkreis bei der Integration von Flüchtlingen. Seit wir älter sind und die Bescherung deshalb nicht mehr so ausgiebig ausfällt, beschloss ich vor ein paar Jahren, am Heilig Abend ein 3-Gänge-Menü zu kochen. Am besagten Abend vor sechs Jahren kochte ich mit meinem iranischen Freund ein persisches Menü. Außerdem eingeladen war ein weiterer Iraner, der Patensohn von meinem Papa. Mitten in den Kochvorbereitungen viel uns auf, dass uns noch eine Zutat fehlte, die mein Freund allerdings zuhause im Camp hatte. Kurzentschlossen machte sich meine Schwester auf dem Weg um die Zutat zu holen und kam kurze Zeit später mit einem nigerianischen Flüchtling zurück. „Der Pius war ganz alleine im Camp, den konnte ich doch nicht dort lassen. An Weihnachten bleibt man nicht alleine!“ meinte sie und da waren wir uns alle einig. Meine Mama packte aus ihrem Geschenkevorrat noch eine Kleinigkeit als Weihnachtsgeschenk ein und dann konnten wir auch schon mit dem großen Weihnachtsessen beginnen. Oh war das lecker, das kann ich euch sagen. Als fast alle mit dem Essen fertig waren, zeigte Pius auf einmal mit seinem Zeigefinger nach oben. Wir schauten alle hoch, aber da war nichts. Auf einmal zeigte er wie wild in die andere Richtung, doch da war auch nichts. Ja was will er denn? Auf einmal lachte er laut los. „Bei uns muss der Letzte, der fertig ist, den ganzen Tisch abräumen.“ In der Zwischenzeit, in der wir alles Mögliche an der Decke gesucht hatten, hatte er seinen Teller leer gegessen. Lauthals stimmten wir in sein Lachen mit ein und räumten zum Schluss aber doch gemeinsam den Tisch ab. Bei uns muss halt jeder mithelfen, egal ob er der Erste oder der Letzte beim Essen ist.

Nach dem Essen kommt bei uns der besinnliche Teil. Gemeinsam wird gesungen und meine Mama liest immer eine Weihnachtsgeschichte und ein Gedicht. Es war richtig schön, als wir gemeinsam „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht“ gesungen haben. Bei der Bescherung wurde auch keiner vergessen. Als auch der Pius ein Geschenk mit seinem Namen darauf bekam, war er so gerührt, dass er uns spontan mit einer Umarmung dankte. So saßen wir beisammen, vier Deutsche, zwei Iraner und ein Nigerianer. Fern von der Heimat und der Familie und doch nicht allein.

Ein Weihnachtsfest voller Dankbarkeit, Freude und Zusammengehörigkeit.